Interview mit dem Sammler

Wie kommt man auf eine so ungwöhnichen Idee, wie dem Sammeln von Haarschmuck?

Seit Generationen hat meine Familie mit Schmuck und Bildern aus Haaren zu tun gehabt, wodurch ich die Beziehung und die Liebe zum menschlichen Haar gewinnen konnte. Ich entdeckte darin einen kostbaren Werkstoff, ist doch das Haar die Krone eines jeden Menschen.

Was ist das Besondere am Haarschmuck?

Seit altersher wurde das menschliche Haupthaar als so kostbar empfunden, dass man es zu wertvollen Schmuckstücken oder Wandbildern verarbeitet hat. Das menschliche Haar wird zum persönlichen Andenken, weil es von einem bestimmten Menschen stammt. Immer wieder erstaunt mich die Vielfalt und der Ideenreichtum, der sich in den Bildern und dem Haarschmuck wiederspiegelt. Fertigten doch Haarbildner, Perückenmacher und Näherinnen in Heimarbeit und Novizinnen in den Klöstern immer neue Motive. Es entwickelte sich zeitweise eine regelrechte Volkskunst.

Mit welchen Techniken und Materialien wurde Haarschmuck hergestellt?

Auf den ersten Blick ist für den Laien kaum zu erkennen, dass es sich bei den Kunstwerken um den Werkstoff „Haar“ handelt. Für Frauen wurden Ohrringe, Armbänder, Fingerringe, Broschen und Halsketten in feinsten Mustern gewebt, geflochten oder geklöppelt und dann in Gold gefasst.

Wie kann man beispielsweise ein Armband als Haarschmck verwenden? Wie bekamen die Damen dieses problemlos wieder ab?

Durch eine spezielle „Ziehharmonika-Technik“ sind die Armbänder auf größeren Durchmesser dehnbar. Oft wurden sie mit Haarrosetten im Blütenform verziert.

Wie sahen beispielsweise Halsketten aus Haarschmuck aus?

Die bis zu 180 cm langen Halsketten wurden häufig vierlagig um den Hals getragen. Daran hing eine zierliche Damenuhr oder ein goldenes Medaillon. Die Medaillons beinhalten oft Haare von geliebten Menschen als kunstvoll gelegte Haarlocke.

War Haarschmuck auch in anderen Ländern stark verbreitet?

In England trugen die Frauen während der viktorianischen Zeit häufig so genannte „Memory-Broschen“. Diese bestehen aus Metall teilweise aus Gold. Innen enthalten sie schwarz emaillierte Flächen, auf denen die Haare, hinter Glas geschützt, zur Erinnerung an eine verstorbene Person als so genannte „Prince-of-Wales-Locke“ gelegt ist.

Welche Schmuckstücke aus Haarschmuck sind heute noch bekannt?

Der meiste heute erhaltene Haarschmuck sind Haaruhrenketten in vielfältigen Ausführungen. Die Herren trugen üblicherweise ihre Taschenuhren an Ketten, die aus Haaren gefertigt wurden. Die Haare stammten von der Ehefrau oder der Geliebten. Dies belegt wiederum den Symbolwert. Die zeitliche Blüte des Haarschmucks ist vor allem das 19. Jahrhundert mit einem ausgeprägten Freundschaftskult, der Neigung zur Empfindsamkeit und der Erinnerung.




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